MdL Dr. Stefan Ebner (2. v.r.) mit Direktor Volker Gießübl (r.) und (v.l.) Berufsfachschulleiterin Alexandra Erber und Sven Büchler.
Die Pflegeakademie Grafenau ist ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsversorgung in der Region. Jährlich beginnen hier rund 160 Auszubildende ihre Karriere in der Pflege. Das Altersspektrum der Schüler ist dabei bemerkenswert breit und reicht von 16 bis 55 Jahren. "Gerade ältere Menschen gehen teils den Weg über die Umschulung, aufgrund der großen Sinnhaftigkeit und Freude in Pflegeberufen", erläuterte Direktor Gießübl. Nach erfolgreichem Abschluss stehen den Absolventen als Pflegefachkräfte oder Pflegefachhelfer vielfältige Wege in der Seniorenpflege, in Krankenhäusern oder bei ambulanten Pflegediensten offen. Seit ihrer Gründung hat die Akademie bereits über 3.200 Fachkräfte ausgebildet und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur regionalen Versorgung geleistet.
Ein besonderes Highlight des Besuchs war die Vorstellung des hochmodernen Simulationslabors, des "Sim-Labs". Dieses Labor ist das Alleinstellungsmerkmal der Akademie im Umkreis von 100 Kilometern. Hier können die Auszubildenden an fast lebensechten Simulatoren üben. Ob Reanimation oder die Überwachung kritischer Patientenzustände, die angehenden Pflegekräfte können hier unter der Beobachtung ihrer Lehrkräfte selbstständig agieren und wertvolle praktische Erfahrungen sammeln. "Besonders wertvoll ist die Selbstreflexion danach, welche aufgrund der Kameraaufzeichnung möglich ist", betonte Gießübl. Er fügte hinzu, dass Auszubildende auf diese Weise 90% ihrer Fehler erkennen und diese so später kaum noch wiederholen. Das 2016 eingeführte und von den Mitarbeitern Sven Büchler und Sebastian Weber stetig weiterentwickelte "Sim-Lab" sei die Zukunft der Pflegeausbildung, ein Bereich, in dem Deutschland noch Aufholbedarf habe.
Trotz des Erfolgs und der hohen Ausbildungsqualität steht die Pflegeakademie, die als gemeinnützige GmbH in privater Trägerschaft geführt wird, vor finanziellen Herausforderungen. Die Gesellschafter – die Rosenium GmbH, der Landkreis Freyung-Grafenau, der Kreis-Caritasverband und die Unternehmensgruppe Dr. Mirski – tragen die Einrichtung gemeinsam. Direktor Gießübl machte jedoch deutlich, dass die finanzielle Belastung zunehme. Der Fort- und Weiterbildungsbereich, der unter anderem Personal von Arztpraxen schult, sei mittlerweile essentiell, um den Betrieb zu finanzieren. Angesichts des "gigantischen Bedarfs von derzeit 250.000 Pflegekräften", der durch die demografische Entwicklung weiter erheblich steigen wird, sei eine "regionale, qualitative Berufsschule für Pflege unerlässlich", so die klare Botschaft des Akademiedirektors.
Dr. Stefan Ebner zeigte sich beeindruckt von der Professionalität und dem Engagement des gesamten Teams. Seine große Wertschätzung für die Pflegekräfte und die Ausbilder brachte er deutlich zum Ausdruck. An die Mitarbeiter gerichtet, sagte er anerkennend: "Man merkt, Sie brennen dafür!" Die in diesem Berufsfeld gefundene "Sinnhaftigkeit und Freude an der Arbeit" sei, so Ebner, ein besonderes Merkmal, das es zu fördern gelte. Der Besuch unterstrich die zentrale Bedeutung der Pflegeakademie Grafenau als unverzichtbare Ausbildungsstätte, die mit zukunftsweisenden Methoden dem Fachkräftemangel aktiv begegnet.