Die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag hat heute gemeinsam mit der Fraktion der FREIEN WÄHLER das Konzept des Bayernjahres der Öffentlichkeit vorgestellt. Parallel dazu setzen sich die Regierungsfraktionen auf Bundesebene für die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres für alle ein. An der Pressekonferenz im Bayerischen Landtag nahmen neben den parlamentarischen Initiatoren auch Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, der Feuerwehren, der Wohlfahrtspflege und des Naturschutzes teil. Das Bayernjahr ist als freiwillige Gesellschaftszeit konzipiert, die Menschen aller Altersgruppen die Möglichkeit gibt, sich strukturiert gesellschaftlich zu engagieren. Es umfasst vier Module: Sicherheit, Soziales, Wirtschaft und Unternehmertum sowie Umwelt. Das Bayernjahr knüpft an bestehende Freiwilligendienstformate an – darunter das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), den Bundesfreiwilligendienst (BFD) und den Freiwilligen Wehrdienst – und vernetzt diese, ohne neue Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten am Ende ein Zertifikat, das ihre Leistung dokumentiert und gesellschaftlich anerkannt wird. Ein freiwilliges Anreizsystem – etwa Vorteile bei der Studienplatzvergabe, Übernahme von Führerscheinkosten, vergünstigte Bahntickets oder Kulturgutscheine – soll zusätzliche Motivation schaffen. Ein zentrales digitales Anmelde- und Informationsportal soll den Einstieg für Interessierte so einfach wie möglich gestalten. Das Bayernjahr richtet sich an alle Altersgruppen und soll ausdrücklich auch einen Beitrag zur Integration von Zugewanderten leisten.
Klaus Holetschek, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag: „Gerade in Zeiten äußerer Bedrohung gilt: Freiheit ist kein Selbstläufer. Sie braucht Einsatz und Engagement jedes Einzelnen. Wer seine Heimat mitgestaltet, stiftet Identität und trägt Verantwortung – davon lebt unser Freistaat. Ein Bayernjahr ist gleichzeitig auch eine Orientierungszeit für junge Menschen nach dem Schulabschluss. Sie lernen neue Berufsfelder kennen, wovon vor allem der soziale und gesundheitliche Bereich profitieren kann. Anpacken, ausprobieren, Horizont erweitern – statt digitaler Blase. Wir brauchen eine neue Form von Zusammenhalt und Gemeinsinn – und damit gegen die radikalen Kräfte, die unsere Demokratie zerstören wollen.“
Maximilian Böltl, CSU-Landtagsabgeordneter und Mit-Initiator des Bayernjahrs: „Junge Menschen in Bayern wollen wirksam sein, sich zugehörig fühlen und Orientierung finden. Unser Bayernjahr schafft neue Möglichkeiten in bestehenden Strukturen mit echten Anreizen: Vier Module, ein Zertifikat, das Plus im Lebenslauf. Der Staat wird damit vom anonymen Versorger zur persönlichen Verantwortung des Einzelnen. Es entsteht mehr Miteinander in der Gesellschaft, wir stärken die weißblaue Identität und verbessern Integration.“
Thomas Huber, sozialpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, hat die Debatte mit angestoßen: „Unsere Gesellschaft lebt davon, dass Menschen sich einbringen, füreinander da sind und gemeinsam anpacken. Wehr- und Zivildienst haben früher vielen jungen Menschen Einblicke in soziale Berufe und Lebenswelten eröffnet, mit denen sie sonst vielleicht nie in Berührung gekommen wären. Dieser selbstverständliche Berührungspunkt ist heute ein Stück weit verloren gegangen. Das Bayernjahr schafft hier neue Chancen: Junge Menschen können erleben, wie erfüllend es ist, für andere da zu sein und vielleicht den Weg in einen sozialen Beruf oder in ein dauerhaftes Ehrenamt finden. Damit stärken wir den Einzelnen und zugleich den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“
Bernhard Pohl, Erster stellvertretender Vorsitzender der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion: „Vor 13 Jahren bereits haben die FREIEN WÄHLER ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Männer und Frauen mit Wahlrecht zwischen einem Dienst bei der Bundeswehr, Blaulichtorganisationen oder im sozialen oder gesundheitlichen Bereich gefordert. Dieses Ziel steht nach wie vor ganz oben auf unserer Agenda. Ein wichtiger Impuls hierfür soll nun das Bayernjahr sein. Es ist zwar nicht verpflichtend, sondern freiwillig, soll aber als Best-Practice-Beispiel unserer notwendigen politischen Diskussion zusätzliche Impulse verleihen. Natürlich wollen wir auch die Zahlen im Vergleich zu den bisherigen Freiwilligendiensten deutlich erhöhen, damit die Ableistung dieses Dienstes in Bayern zu einer Selbstverständlichkeit wird. Gleichzeitig liefern wir damit auch eine Blaupause für den Bund, der bei der Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres von den Erfahrungen Bayerns profitieren kann.“
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V.: „Wir begrüßen, dass das Bayernjahr neben den Modulen Sicherheit, Soziales und Umwelt auch ein Wirtschaftsmodul vorsieht. Das Konzept setzt auf Freiwilligkeit und verdrängt keine Pflichtpraktika. Unternehmen können ohne großen zusätzlichen bürokratischen Aufwand Praktikumsplätze im Rahmen des Bayernjahrs anbieten. Das Bayernjahr insgesamt ist zudem ein starkes Signal an den Bund: Wir benötigen dringend die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres für Männer und Frauen – gerne mit dem verpflichtenden Wehrdienst als zentraler Komponente.“
Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Bayern e. V.: „Die Feuerwehren in Bayern sind das Rückgrat unserer Sicherheitsarchitektur – und das funktioniert nur, weil sich rund 960.000 Menschen ehrenamtlich engagieren. Das Sicherheitsmodul im Bayernjahr gibt jungen Menschen die Möglichkeit, dieses Engagement kennenzulernen und selbst Teil davon zu werden. Wer einmal erlebt, was es bedeutet, für andere da zu sein, der bleibt oft dabei. Das Bayernjahr kann hier eine wichtige Brückenfunktion übernehmen und unseren ehrenamtlichen Dienst nachhaltig stärken!"
Dr. Andreas Magg, Landes-Caritasdirektor in Bayern: „Soziales Engagement braucht Menschen, die motiviert helfen wollen und auch wissen, wie es geht. Das Sozialmodul im Bayernjahr bietet genau diese Erfahrung: nah an Menschen, nah an der Wirklichkeit. Die Caritas in Bayern begleitet bereits heute viele junge Menschen im FSJ und im Bundesfreiwilligendienst. Das Bayernjahr könnte diese Strukturen sinnvoll ergänzen und noch mehr Menschen für soziales Engagement gewinnen und durch Berufsorientierung einen Weg in diese Branche eröffnen."
Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände: „Unsere Kulturlandschaft in Bayern ist ein ökologischer Schatz – und er muss gepflegt werden. Das Umweltmodul im Bayernjahr eröffnet jungen Menschen die Chance, diesen Schatz nicht nur zu genießen, sondern aktiv mitzugestalten. Landschaftspflege ist konkrete Natur- und Klimaschutzarbeit vor Ort: Man sieht, was man tut, und man sieht, was es bewirkt. Das motiviert. Wir freuen uns, Teil dieses Projekts zu sein und unsere Erfahrung aus der Arbeit mit den Landschaftspflegeverbänden einzubringen."